DIE FLEDERMAUS
2026
"Glücklich ist, wer vergißt, was nicht zu ändern ist"
- humorvolle Selbstkritik durch Selbstironie
Die 1874 am Theater an der Wien uraufgeführte Operette DIE FLEDERMAUS ist durchdrungen von der selbstironischen Satire jener Wiener Intellektuellen, die dem Niedergang der K.u.K. Monarchie hilflos zusehen mussten. In ihr spiegeln sich die Ohnmacht, Resignation und Selbstkritik einer Gesellschaft ohne Ausweg und ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft – einer Bürgerschaft, die den Willen und die Vision verloren hat, die Welt zu verändern.
Paradoxerweise findet dieser Zeitgeist seinen Ausdruck in einer übersteigert heiteren, mitreißenden Musik. Gerade aus dieser Ironie heraus richtet DIE FLEDERMAUS eine Frage an ihr Publikum: „Ist es wirklich richtig, so zu leben?“
© Seollyeon Konwitschny-Lee
RIGOLETTO
2024
La maledizione : Selbstverantwortung
In RIGOLETTO geht es nicht um ein unabwendbares Schicksal, sondern um die Folgen menschlicher Entscheidungen: Rigoletto erkennt bis zuletzt nicht, dass er selbst Verantwortung für das Geschehen trägt.
Um zu vermitteln, dass das Thema Selbstverantwortung unabhängig vom Zeitraum in verschiedenen Epochen gültig ist, stellte ich je Akt drei verschiedene Zeiträume dar.
© Seollyeon Konwitschny-Lee
DON CHISCIOTTE
(Don Quijote)
2024
«Vérité en deçà des Pyrénées, erreur au-delà.»
DON CHISCIOTTE spiegelt drei Zeitebenen: die Epoche Cervantes’, die Entstehungszeit der Oper im Spanien des Jahres 1827 – geprägt vom Nachhall der napoleonischen Kriege – und unsere Gegenwart. Schon bei der ersten Beschäftigung mit dem Werk fiel mir seine Nähe zu Francisco Goya auf, der 1828 starb.
Heute rückt vor allem die Frage nach der Wahrnehmung der Wirklichkeit in den Mittelpunkt. Don Quijote mag als geisteskranker Narr erscheinen; zugleich macht er die Krankheiten seiner Gesellschaft sichtbar.
Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven, der sprunghaften Handlung und den Widersprüchen zwischen Libretto und Musik entstand die Idee, die Oper durch Goyas Augen zu erzählen. Ein fiktiver, an Goya erinnernder Erzähler blickt auf eigene Erfahrungen zurück, die sich in seiner Erinnerung mit der Geschichte Don Quijotes vermischen. Wie Goya in seinen Bildern bringt er Wahrheiten ans Licht, die man lieber nicht sehen möchte.
© Seollyeon Konwitschny-Lee
ACIS AND GALATEA
2024
Von der Kindheit zur Reife - die wunderbare Metamorphose von Acis and Galatea
In Händels ACIS AND GALATEA stand nicht der Kampf der Rivalen Acis und Polyphemo um die Liebe der Nymphe Galatea im Mittelpunkt, sondern vielmehr das Thema der Metamorphose. Am Schluss feiert Händel musikalisch die Verwandlung des Acis in eine Quelle der Kraft und des Lebens.
Unter dem Aspekt der Wandlung und Transformation lässt unsere Inszenierung den zeitlos gültigen Kern dieser alten Legende auferstehen. Die Inszenierung nutzt den Zauber der pastoralen Barockmusik, um die traditionsreiche, immer aktuell bleibende Geschichte vom Erwachsenwerden und dem Finden seiner eigenes Weges auf spannende Weise zu erzählen.
© Seollyeon Konwitschny-Lee / Bettina Bartz
NORMA
2022
Sehnsucht nach Humanität
Bellinis NORMA fragt nach Krieg und Frieden, nach dem Humanen und Antihumanen.
Ihre letzte Entscheidung bewegt uns alle zutiefst. Norma könnte ihre Macht missbrauchen und andere in den Tod schicken. Stattdessen übernimmt sie selbst die Verantwortung und opfert sich und zwar in der Hoffnung, dass Frieden und Menschlichkeit weiterleben, auch wenn ihre eigene Welt untergeht.
Sie besteigt den Scheiterhaufen nicht als Sünderin, sondern verlässt ihre Welt als Humanistin.
© Seollyeon Konwitschny-Lee
Was sagt uns der Antifaschismus heute?
Kann eine Oper politisch sein? Wenn ja, wie kann ein Regisseur die Botschaft eines politisch hochaktuellen Musiktheaterstücks dem Publikum vermitteln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich meine Inszenierung DER KAISER VON ATLANTIS von V.Ullmann / 27. APRIL 1945 von K.A.Hartmann an der Oper Bonn. Dieser Produktion ist es gelungen, die Themen des Antifaschismus und der Menschenverachtung des Faschismus nicht nur von der einen Seite eines Opfers wie dem jüdisch-österreichischen Komponisten Ullmann, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, zu betrachten, sondern auch aus der Blickwinkel eines Widerstandkämpfers wie Hartmann, ein deutscher Komponist der „inneren Emigration“.
© Seollyeon Konwitschny
WEISSE ROSE
2016
Die Gefahren der Masse: Zivilcourage gegen Faschismus
Udo Zimmermanns 1986 uraufgeführtes Musiktheaterwerk Weisse Rose behandelt die letzten Stunden von zwei der berühmtesten Widerstandsfiguren der deutschen Geschichte, Hans und Sophie Scholl. Der Komponist warnt durch dieses knapp vor der Wende entstandene Stück nicht nur seine Zeitgenossen, sondern hält dem heutigen Publikum auch vor Augen, wie fatal es ist, wenn eine Gesellschaft kritische Mitglieder ausgrenzt. Die Neuproduktion des Werkes am Theater Augsburg (Premiere Oktober 2016) verzichtet auf Verortung in der NS-Zeit, sondern ist auf viele Situationen, Zeiten und Orte übertragbar: Sie zeigt, wie der Aufruf der Scholls zur Zivilcourage durch die manipulierte Masse, die mit einem 15-köpfigen Bewegungschor umgesetzt wurde, unterdrückt wird.
© Seollyeon Konwitschny
DIE VERSTELLETE GÄRTNERIN (La finta giardiniera)
2015
Die Suche nach der eigenen Identität
Das Grundthema des Stückes ist die Suche nach der eigenen Identität. Alle Protagonisten fragen sich mehrfach, wer sie selbst sind und wie Andere sie sehen. Nicht nur die Titelfigur verstellt sich, sondern auch alle andern. Sie täuschen Selbstvertrauen vor und geraten in tragikomische Situationen, die den Zuschauer amüsieren, aber auch emotional berühren, weil der sie aus eigener Erfahrung kennt.
Ähnlich wie in Cosi fan tutte verbergen sich in der märchenhaften Handlung sehr realistische Beobachtungen über die Seelennöte junger Menschen, die mit dem Ihnen von der Gesellschaft zugewiesenen Platz nicht zufrieden sind. Es ist verständlich, dass sie Bestätigung und Halt in einer konstanten Liebesbeziehung suchen, aber romantische Illusionen und mangelnde Erfahrung erschweren die Partnersuche enorm. Das wird zum Beispiel in einer Arie (Nr. 14) von Nardo („Nach der welschen Art und Weise“) deutlich: er versucht, sich auf verschiedene Art an Serpettas Wunschvorstellung anzupassen. Er merkt dann aber, dass er statt sie zu gewinnen, nur sich selbst verlieren würde. Mit seinem meisterhaften psychologischen Einfühlungsvermögen begleitet Mozart die Figuren auf dem langen Weg der Selbstfindung.
© Seollyeon Konwitschny