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Der Kaiser von Atlantis/ 27. April 1945

2018

Was sagt uns der Antifaschismus heute?

Kann eine Oper politisch sein? Wenn ja, wie kann ein Regisseur die Botschaft eines politisch hochaktuellen Musiktheaterstücks dem Publikum vermitteln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich meine Inszenierung DER KAISER VON ATLANTIS von V.Ullmann / 27. APRIL 1945 von K.A.Hartmann an der Oper Bonn. Dieser Produktion ist es gelungen, die Themen des Antifaschismus und der Menschenverachtung des Faschismus nicht nur von der einen Seite eines Opfers wie dem jüdisch-österreichischen Komponisten Ullmann, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, zu betrachten, sondern auch aus der Blickwinkel eines Widerstandkämpfers wie Hartmann, ein deutscher Komponist der „inneren Emigration“. 

- Seollyeon Konwitschny

Weisse Rose

2016

Die Gefahren der Masse: Zivilcourage gegen Faschismus

Udo Zimmermanns 1986 uraufgeführtes Musiktheaterwerk Weisse Rose behandelt die letzten Stunden von zwei der berühmtesten Widerstandsfiguren der deutschen Geschichte, Hans und Sophie Scholl. Der Komponist warnt durch dieses knapp vor der Wende entstandene Stück nicht nur seine Zeitgenossen, sondern hält dem heutigen Publikum auch vor Augen, wie fatal es ist, wenn eine Gesellschaft kritische Mitglieder ausgrenzt. Die Neuproduktion des Werkes am Theater Augsburg (Premiere Oktober 2016) verzichtet auf Verortung in der NS-Zeit, sondern ist auf viele Situationen, Zeiten und Orte übertragbar: Sie zeigt, wie der Aufruf der Scholls zur Zivilcourage durch die manipulierte Masse, die mit einem 15-köpfigen Bewegungschor umgesetzt wurde, unterdrückt wird.

- Seollyeon Konwitschny

Die verstellte Gärtnerin

2015

Die Suche nach der eigenen Identität

Das Grundthema des Stückes ist die Suche nach der eigenen Identität. Alle Protagonisten fragen sich mehrfach, wer sie selbst sind und wie Andere sie sehen. Nicht nur die Titelfigur verstellt sich, sondern auch alle andern. Sie täuschen Selbstvertrauen vor und geraten in tragikomische Situationen, die den Zuschauer amüsieren, aber auch emotional berühren, weil der sie aus eigener Erfahrung kennt.

Ähnlich wie in Cosi fan tutte verbergen sich in der märchenhaften Handlung sehr realistische Beobachtungen über die Seelennöte junger Menschen, die mit dem Ihnen von der Gesellschaft zugewiesenen Platz nicht zufrieden sind. Es ist verständlich, dass sie Bestätigung und Halt in einer konstanten Liebesbeziehung suchen, aber romantische Illusionen und mangelnde Erfahrung erschweren die Partnersuche enorm. Das wird zum Beispiel in einer Arie (Nr. 14) von Nardo („Nach der welschen Art und Weise“) deutlich: er versucht, sich auf verschiedene Art an Serpettas Wunschvorstellung anzupassen. Er merkt dann aber, dass er statt sie zu gewinnen, nur sich selbst verlieren würde. Mit seinem meisterhaften psychologischen Einfühlungsvermögen begleitet Mozart die Figuren auf dem langen Weg der Selbstfindung.

-Seollyeon Konwitschny 

Seollyeon Konwitschny-Lee

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